Lüneburg, am Donnerstag den 03.04.2025

Internationaler Schlag gegen Darknet-Plattform

von LKA NIEDERSACHSEN am 02.04.2025


LKA-NI: Internationaler Schlag gegen Darknet-Plattform - Durchsuchungen in 38 Staaten
Hannover (ots)


Vom 10. bis 23. März 2025 beteiligten sich insgesamt 38 Staaten (Deutschland, Albanien, Georgien, Kanada, Kolumbien, Australien, Neuseeland, Serbien, USA, Vereinigtes Königreich, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Spanien, Tschechische Republik, Ungarn, Zypern, Island, Norwegen und Schweiz) an der konzertierten Operation zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern im Internet, die den Aktionsnamen "OP Stream" führt. Die Initiative und Vorbereitung des Einsatzes übernahmen das Zentrum zur Bekämpfung von Kinderpornografie und sexuellem Missbrauch im Internet bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg und das Bayerische Landeskriminalamt.

Im Rahmen der polizeilichen Maßnahmen wurden eine Vielzahl von elektronischen Datenträgern, Mobiltelefonen und PCs sichergestellt. Die Ermittlungen im Gesamtkomplex dauern an, da insbesondere die Betreiber der Plattform bislang nicht identifiziert werden konnten.

Bereits seit Anfang 2022 beschäftigen sich bayerische Ermittler mit der Darknet-Plattform "KidFlix". Abweichend von anderen bereits bekannten derartigen Plattformen legt "KidFlix" über den Download von Bildern hinaus den Fokus auf das Streamen von Videodateien, die teilweise den schweren sexuellen Missbrauch von Kindern zeigen.

Nach Registrierung und Bezahlung eines Zugangs mit Kryptowährungen standen den internationalen Usern mehr als 91.000 Videos in hoher Bildqualität mit einer Gesamtlaufzeit von 6.288 Stunden zur Verfügung. Im Schnitt wurden rund 3,5 Videos pro Stunde neu auf die Plattform geladen.

Die mit Unterstützung der Behörden in den Niederlanden und der Schweiz geführten Ermittlungen richteten sich gegen die Betreiber sowie ca. 190.000 Nutzer der Plattform, die im Zeitraum von April 2022 bis jetzt registriert waren. Durch die umfangreichen Ermittlungen gelang es, weltweit bislang 1.393 Tatverdächtige trotz der von ihnen versuchten Verschleierung ihrer Identität ausfindig zu machen. Im Mittelpunkt der Ermittlungen stand dabei vor allem die akribische Nachverfolgung der Bezahlwege über Kryptowährungen, wobei es den Spezialisten des BLKA in mehreren Fällen gelang, diese trotz der Verwendung von Mixing-Diensten und von besonders auf Anonymität ausgelegten Kryptowährungen zu den Beschuldigten zurückzuverfolgen. Insgesamt waren ca. 1.800.000 Nutzer weltweit im Zeitraum von April 2022 bis jetzt zumindest zeitweise angemeldet.

Während des gesamten Verfahrens traten die Ermittler erkannten Gefahren für Kinder sofort wirksam entgegen. Sobald beispielsweise bekannt wurde, dass Kinder bei den Tatverdächtigen wohnten, wurden diese Verfahren an die jeweils zuständigen Justiz- und Polizeibehörden abgegeben, um unmittelbar geeignete Maßnahmen zum Wohle der Kinder ergreifen zu können. Die Identifizierung von missbrauchten Kindern war wesentlicher Bestandteil der Arbeit: So konnten unter anderem Kinder, die Opfer von sexuellem Missbrauch geworden waren, in Nordrhein-Westfalen in Schutz genommen und in Brandenburg identifiziert werden.

Bereits Mitte Januar 2024 gelang den Ermittlern die Festnahme eines 36-jährigen Mannes im Bereich der Kriminalpolizeiinspektion Chemnitz. Dieser soll auf der Plattform "KidFlix" Kinder zum schweren sexuellen Missbrauch gesucht haben. Nach seiner Identifizierung und dem Vollzug des erlassenen Haftbefehls wurde sein minderjähriger Sohn in die Obhut des Jugendamtes gegeben, da Hinweise auf einen sexuellen Missbrauch vorlagen.

Kriminalbeamte des Polizeipräsidiums Mittelfranken durchsuchten bereits am 24. Januar 2025 die Wohnung eines 30-jährigen Mannes. Nachdem bekannt geworden war, dass dieser sich kinderpornografisches Material auf der Plattform "KidFlix" angesehen haben soll, wurde auch sein familiäres Umfeld sofort überprüft. Im gemeinsamen Haushalt lebten zwei minderjährige Kinder. Nach der Durchsuchung und Sicherstellung von Beweismitteln wurden die Kinder unmittelbar in die Obhut des zuständigen Jugendamtes übergeben, sie befinden sich jetzt nicht mehr in der Familie.

Als Ausfluss der internationalen Ermittlungen konnte auf der Grundlage der durch das BLKA erlangten und zur Verfügung gestellten Kryptowährungsdaten ein mutmaßlicher Missbrauchstäter in den Vereinigten Staaten verhaftet werden. Der Verdächtige soll Wiederholungstäter sein, der des anhaltenden Missbrauchs eines ihm bekannten minderjährigen Kindes beschuldigt wird, mit möglichen weiteren Opfern.

Am 10. März 2025 wurden in Niedersachsen Durchsuchungen bei acht Beschuldigten durchgeführt. Bei den durch das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen koordinierten Maßnahmen kam es zu einer Festnahme sowie zur Sicherstellung von 201 Asservaten. Bei dem durch Kräfte der Polizeidirektion Hannover festgenommenen 52-Jährigen wurden mehr als 70 Datenträger, eine kindliche Sex-Puppe und diverse Betäubungsmittel sichergestellt. Zudem ergaben sich Hinweise auf das Betreiben einer Darknet-Handelsplattform für Betäubungsmittel. Die niedersächsischen Maßnahmen führten zur Einleitung weiterer Strafverfahren, beispielsweise aufgrund des Verdachts von Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, das Waffengesetz, das Sprengstoffgesetz sowie aufgrund von Sozialleistungsbetrug.

"Der Verbreitung all dieser entsetzlichen Videos und Bilder liegt der reale Missbrauch von Kindern und Jugendlichen zugrunde. Das LKA steht auch im nationalen und auch internationalem Verbund klar an der Seite der Opfer und verfolgt die Täter dieser verabscheuungswürdigen Taten hartnäckig und mit aller Konsequenz. Es ist ein Spagat, immer wieder über diese Fälle und die unerträglichen Praktiken der Täter zu berichten. Aber es gilt auch, der Gesellschaft diese Seite des ungezügelten Auslebens im Internet zu zeigen und deutlich zu machen, dass wir für Ermittlungen dieser Art entsprechende Rechtsanwendungen wie die Speicherung von IP-Adressen benötigen", so LKA-Präsident Friedo de Vries.

Niedersachsens Ministerin für Inneres und Sport, Daniela Behrens erklärt: "Sowohl die Action Week in der vergangenen Woche als auch der aktuelle Schlag gegen diese widerliche Plattform zeigen das Engagement und den Einsatz der Polizei Niedersachsen im Kampf gegen Kindesmissbrauch und Kinderpornografie. Gleichzeitig verdeutlicht das Ausmaß der Ermittlungen noch einmal, welch bedeutende Rolle die nationale und internationale Kooperation der Behörden in diesem Bereich spielt."

Am 11. März 2025 wurde der Server, auf dem sich zu diesem Zeitpunkt ca. 72.000 Videos befanden, mit Unterstützung der niederländischen Behörden beschlagnahmt. Die Webseite ist nunmehr mit einem Beschlagnahmebanner versehen.

Auf Ersuchen des BLKA übernahm Europol die weltweite Koordination der Operation und beteiligte sich durch Datenanalysen unmittelbar an den erfolgreichen Ermittlungen. Neben dem Bundeskriminalamt auf nationaler Ebene initiierte Europol international die Identifizierung von Opfern und hatte so einen wichtigen Anteil an der erfolgreichen Durchführung dieser bedeutenden Maßnahme zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern. Für Niedersachsen hat das LKA Niedersachsen in Zusammenarbeit mit den betroffenen regionalen Polizeidirektionen eine koordinierende Rolle übernommen.

Die Ursprungsmeldung des Landeskriminalamt Bayern finden Sie hier: https://www.polizei.bayern.de/aktuelles/pressemitteilungen/082872/index.html

© Fotos: Polizei


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