Fruchthof Habig schließt — die nächste Lücke in der Innenstadt
von Carlo Eggeling am 20.04.2023Die Bilder an der Wand strahlen den Stolz aus: 1929 eröffnete das Lebensmittelgeschäft. Obst, Gemüse, Dosen und Gläser mit Eingemachtem. 1974 gab es eine Erweiterung des Fruchthofs Habig. Doch sechs Jahre vor dem 100. Geburtstag schließt die Habig an der Grapengießerstraße. Betreiberin Andrea Habig und ihr Mann Michael hören Ende Juli auf. Warum? Die beiden nennen mehrere Gründe. Einer ist die schwere Krankheit des 59-Jährigen: "Ich kann meine Frau nicht länger die ganze Arbeit machen lassen, das macht sie seit drei Jahren. Damit muss Schluss sein."
Damit endet eine Tradition. Wieder einmal. Michael Habig zieht die Schultern hoch: "Von Tradition können wir uns nichts kaufen. Ja, mir blutet das Herz, dass wir es nicht fortsetzen können. Aber es geht nicht." Zehn Läden an der Grapengießerstraße stehen bereits leer, ob in das Geschäft mit den Auslagen an der Schlägertwiete ein neues Unternehmen zieht, ist offen. "Wir hatten Interessenten hier", sagt Andrea Habig. "Doch die viele Arbeit will keiner machen." Morgens um drei zum Großmarkt und dann bis 19 Uhr im Laden stehen, das schrecke ab, denkt die 55-Jährige. Also kein Obst, Gemüse, Aufschnitt und Co mehr. Ein Café sei denkbar.
Doch das Paar ist skeptisch bei Interessenten. Es besitzt noch ein Haus gegenüber. Einst selbst bewirtschaftet hatte die Familie es zwischendurch vermietet, doch es habe Probleme gegeben. Nun steht das Geschäft seit längerem leer.
Habig bindet einen Strauß aus Gründen, die neben seiner Krankheit eine Rolle spielen. Die Einnahmen sänken. Kunden hätten ihm offen gesagt, dass sie mehr aufs Geld schauen müssten und daher eher zum Discounter gingen. Energiepreise und Inflation seien die Stichworte. Über die Jahre habe sich die Zahl der Parkplätze in der Nähe reduziert, die einen Steinwurf entfernt gelegene Parkpalette sei vielen zu teuer. Auch schade die Diskussion um Parkplätze, die beispielsweise an den Sülzwiesen und Haagestraße gestrichen werden, der Innenstadt. Gleiches gelte für das Motto, dass die Stadt zum Wohnzimmer werden solle. Nach außen wirke das abschreckend.
Über all das kann man lange philosophieren und noch die zu hohen Mieten obendrauf packen, doch erst einmal ist es eine Entwicklung, die dem Bild der Stadt ebensowenig gut tut wie den Steuereinnahmen, die es braucht, um die Stadt attraktiv zu halten oder wieder zu machen. Sollte sich kein Interessent für den Laden finden, kann hier ein weiterer Baustein für das Wohnzimmer Innenstadt passen: "Vielleicht bauen wir um und machen eine Ferienwohnung daraus." Carlo Eggeling
Die Foto zeigen Michael und Andrea Habig mit seiner Mutter Ursula, die ein halbes Jahrhundert im Geschäft gearbeitet hat.
Kommentare
am 20.04.2023 um 22:15:30 Uhr
Nicht nur die Ware ist ausgezeichnet, vor allem die überaus freundliche Bedienung hier wird sehr fehlen. SCHADE, wieder wird Lüneburg ein Stück ärmer und trauriger